Lieber Kummer als gar nichts

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Texte und Musik zu Alkohol in der Literatur

Szenische Lesung zu Musik mit Isabel Binder und Claudia Hornbach

Texte u.a. von Isabel Allende, Tanja Blixen, Virgina Woolf, Ingeborg Bachmann und Arno Schmidt. Musik u.a. von Henry Mancini, Jacques Brel und Astor Piazzolla.

Claudia Hornbach und Isabel BinderDer Alkohol und die Literatur erscheinen oft als verschwistert – nicht nur im Bild vom Verse kritzelnden und Rotwein trinkenden Bohemien. Die Droge, die dem Bewusstsein die gewohnten Pfade zu verlassen hilft, ähnelt gerade darin der Kunst. Und häufig benötigen die Künstler den Wein oder den Whisky, um sich diesen Weg ins Ungekannte zu öffnen. Manchen kann Alkohol Empfindungen, Wahrnehmungen, Gefühle steigern, anderen hilft er, Blockaden zu lösen, die im nüchternen Zustand den künstlerischen Ausdruck hemmen.

In einer erstaunlichen Anzahl von Texten haben sich Schriftsteller damit beschäftigt, dass und warum sie trinken. Teilweise erscheinen solche Texte selbst als rauschhafte Tiraden, in denen sich die Verachtung auf die kleindenkende Umwelt entlädt. Schließlich aber ist Literatur immer wieder das Feld, in dem die Ganze vielfältige und differenzierte Kultur des Herstellens und Genießens von Alkoholika mit all ihren Wirkungen auf Körper und Geist ihre kongeniale Sprache findet. Vom rauschhaften Überschwang bis hin zur hellweißen Reflexion, von der Zote bis zur opulenten literarischen Szene erkunden die Schauspielerin Isabel Binder und die Akkordeonistin Claudia Hornbach die unterschiedlichen Regionen, in die der Alkohol das Denken und das Fühlen führen kann. Ein ebenso nachdenklicher wie genussreicher Abend.

Dagmar Deuring